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Frühe Streichinstrumente um 1500, Teil I (Italien)

Transformationen instrumentaler Klanglichkeit: Die Entwicklung der Streichinstrumente im Übergang vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit am Beispiel der frühen italienischen Viola da gamba

hallo

Ein vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und Mitteln der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel (FAG) finanziertes Forschungsprojekt der Schola Cantorum Basiliensis (SCB) widmete sich 2011-2013 einer zentralen Phase der Transformation in der europäischen Kulturgeschichte von ca. 1470 bis 1550. Dabei bediente es sich der neuen Streichinstrumente um 1500, besonders der Viola da gamba, zur Beschreibung eines generellen Wandels der Klangvorstellungen zu jener Zeit. Trotz ihrer wichtigen Bedeutung für die musikalische Hofkultur stagniert die Forschung zu den frühen Viole da gamba seit Ian Woodfields pionierhafter Studie von 1984. In einem transdisziplinären Ansatz nahm das Projekt die Forschungslücken auf und behandelte das Thema in vier aufeinander bezogenen Arbeitsbereichen: musikhistorisch, ikonographisch, instrumentenkundlich sowie in der Musikpraxis.

Das zentrale, wenngleich späte Dokument hierzu ist Silvestro Ganassis „Regola Rubertina“ (Venedig 1542/43), welches die frühe Viola da gamba hinsichtlich ihrer baulichen Merkmale und Spielweise sowie ihres Repertoires und sozialen Kontextes detailliert beschreibt. So konnten wesentliche Aspekte des weit reichenden Themas der „Transformationen instrumentaler Klanglichkeit“ exemplarisch behandelt werden. Dazu gehörten, neben einer grundlegenden musikhistorischen Kontextualisierung der genannten Quelle und ihres Autors, auch eine breite ikonographische Sammlung von Streichinstrumenten-Darstellungen verbunden mit einer kritischen kunsthistorischen und kontextorientierten Auswertung. Ein weiteres Projektziel war die Rekonstruktion einer Viola da gamba nach Ganassis Vorgaben. Dies geschah durch die Kombination textlicher, ikonographischer und organologischer Quellen und ihre Auswertung. Im Zuge dessen wurden in verschiedenen europäischen Museen (Wien, Nürnberg, Leipzig, Paris und Lissabon) geeignete frühe Instrumente untersucht und teilweise neu vermessen. Eine besondere Bedeutung kam dabei den – sowohl in der Ikonographie als auch an den Instrumenten vorgefundenen – deutlich asymmetrischen Deckenstärken zu, deren akustische Auswirkung am Institut für Wiener Klangstil (IWK) anhand eines 3D-Modells simuliert und in ihrer akustischen Relevanz bestätigt wurde. Auf Basis dieser Erkenntnisse entstand der Plan für ein definitives Instrumentenmodell (mit asymmetrischen Deckenstärken sowie ohne Stimmstock und Bassbalken), der von drei verschiedenen Instrumentenbauern realisiert wurde, um so auch den individuellen handwerklichen Einfluss auf das Resultat feststellen zu können. Diese Instrumente wurden schließlich mit den bei Ganassi und in weiteren Quellen überlieferten Angaben zur Spielweise praktisch erprobt und erklangen im Symposiumskonzert vom 3. Mai 2013 mit dem ensemble arcimboldo erstmals öffentlich (Video-Ausschnitt). Für das Programm wurde virtuoses venezianisches Repertoire aus dem Künstlerkreis um Silvestro Ganassi, Adriano Willaert und der in diesem Zirkel zur Muse stilisierten Sängerin Polissena Pecorina neu erschlossen.

Insgesamt möchte das Projekt zu einer Differenzierung des Geschichtsbildes beitragen, um die unterschiedlichen klanglichen und instrumentenbaulichen Konzepte besser verstehen zu können, die in der Zeit um 1500 in einer komplexen Mischung nebeneinander existierten. Das Projekt versteht sich in einem umfassenderen Sinn als Beitrag zur musikalischen Grundlagenforschung. In einem zweiten Projektabschnitt unter dem Titel "Groß Geigen, Vyolen, Rybeben - Nordalpine Streichinstrumente um 1500 und ihre Praxis" werden ab Oktober 2013, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds, die nordalpinen Traditionen näher untersucht.

 

Projektmitarbeiter:

      • Prof. Dr. Thomas Drescher (Leitung)
      • Thilo Hirsch (Co-Projektleitung)
      • PD Dr. Martin Kirnbauer
      • Kathrin Menzel M.A.
      • Dr. des. Martina Papiro

 

Beteiligte Partner:

 

Beteiligte Instrumentenbauer:

 

Beratende Stellen:

 

Finanzierung:


Projektdauer:

    • September 2011 - Juni 2013

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