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3. Nachbau der Zaeslin-Trommel von 1689

Bevor mit dem Nachbau der Trommel von 1689 begonnen werden konnte, wurde diese vom Autor dieses Artikels vermessen und ein detaillierter Plan gezeichnet.

Abbildung 28

 Abbildung 28: Plan der Zaeslin-Trommel von 1689 © T. Hirsch.


Das grösste Problem für einen originalgetreuen Nachbau waren die Trommel-Zargen. Diese bestehen bei der Trommel von 1689 aus einer einzigen Holzplatte mit einer Länge von 190 cm und einer Breite von 46 cm und das bei nur 5 mm Stärke. Da das Holz der Zaeslin-Trommel per Endoskop nicht eindeutig zu bestimmen war, und mehrere Quellen von Eichenholz sprechen, war dies unsere erste Wahl. Anfragen bei verschiedenen Holzhändlern und Sägewerken machten schnell klar, dass es sehr schwierig werden würde, solche Platten in der erforderlichen Breite ohne Spannungsrisse zu bekommen. Wenn man eine Platte aus der Mitte eines Baumes sägen würde, hat man zwar Riftholz (mit senkrecht stehenden Jahresringen), dafür aber in der Mitte des Brettes den sehr labilen Kernbereich. Sobald man sich aus der Baummitte heraus bewegt, liegen die Jahresringe insgesamt schräger, die Brettmitte ist stabiler, aber der Gesamtdurchmesser des Baumes muss noch grösser sein. Für eine Platte mit 50 cm Breite wäre demnach ein Baum mit mindestens 80 cm Durchmesser (incl. Splintholz, dem weicheren Holz direkt unter der Rinde) erforderlich. Bäume mit einem solchen Durchmesser, mit geradem Wuchs und ohne Risse oder Krankheiten im Kernbereich, sind heute sehr selten. Im 17. und 18. Jahrhundert allerdings gab es nach Information des Dendrolabors Zürich [28] noch gesunde Eichen mit  Durchmessern von über 120 cm. So war es damals möglich nur die Hälfte eines aus der Mitte des Baumes gesägten Brettes zu verwenden, das man dann ohne Rissbildung trocknen konnte.

Für die Nachbauten der vier benötigten Tambours kamen verschiedenen Techniken der Holzvorbereitung und Verarbeitung zum Einsatz. Drei Instrumente wurden durch den Basler Trommelbauer Walter Büchler gefertigt. Er verwendete dafür frisch gesägtes Eichenholz mit den erforderlichen Massen. Dieses Holz wurde noch zusätzlich eingeweicht und mit Dampf erhitzt, um es anschliessend über einen Holzzylinder rund zu biegen. Dieses Verfahren funktionierte allerdings nur bei einer einzigen Eichenplatte, die weiteren Platten brachen beim Biegen, so dass die Zargen schliesslich aus zwei Teilen zusammengesetzt werden mussten. Ein weiteres Problem dieser Technik besteht darin, dass das frische Holz vor dem Biegen nicht gehobelt werden kann, und so eine aufwändige Nachbearbeitung an den gebogenen und getrockneten Zargen notwendig ist, um die Sägespuren zu entfernen.

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Abbildung 29-32: Biegen der Trommelzargen durch Walter Büchler und Mitarbeiter. Fotos: T. Hirsch.


Die zweite, vom Autor dieses Artikels angewandte, Bautechnik bestand darin, die auf ca. 6 mm gesägten Eichenholzplatten vor der weiteren Verarbeitung eingespannt ein Jahr lang zu trocknen. Allerdings entstanden während des Trocknungsprozesses zahlreichen Risse, so dass die Trommel-Zargen schlussendlich aus zwei Teilen, wie bei Allain Manesson-Mallet 1696 erwähnt, zusammengesetzt werden mussten. Allerdings konnte hier das Holz vor dem Biegen auf die erforderliche Stärke von (5 mm) gehobelt werden, was den Biegeprozess mit Wasserdampf erheblich erleichterte. Nach dem Trocknen auf der Innenform wurden die beiden Zargen-Hälften angepasst, verleimt und mit einem dünnen vorgebogenen Reifchen innen stabilisiert.

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Abbildung 33-36: Holztrocknung, Biegen und Verleimen der Zargen. Fotos: T. Hirsch.


Anschliessend konnte der Längsbalken am Ende der Überlappung in die Zargen geleimt, und auch die Reifchen an Ober- und Unterseite der Zargen angebracht werden. Da es sich um gewölbte Flächen handelt, ist eine grosse Anzahl von Zwingen notwendig. Die Zargen wurden schliesslich noch mit Eisennägeln genagelt. Diese haben einen linsenförmigen Kopf und einen rechteckigen Querschnitt, damit im Inneren des Instruments die Spitze des Nagels umgebogen und dann mit einem Hammer umgeschlagen werden kann.

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Abbildung 37-40: Einleimen der Reifchen und des Längsbalkens. Zargennägel. Fotos: T. Hirsch


Die Druckreifen wurden aus 10 mm dickem Eichenholz gebogen, und mit einer 32 cm langen Überlappung wie im Original geleimt und genagelt. Da in den französischen Quellen aus dem 17. und 18. Jahrhundert oft bis zu 14 Bahnen, meistens aber 12 Bahnen belegt sind, haben wir uns entschlossen die originale Anzahl von 11 auf 12 Bahnen zu erhöhen. Alle vier Tambours wurden schliesslich durch Walter Büchler mit Kalbfellen (Schlagfell: 0.25-0.32 mm, Resonanzfell: 0.18-0.25 mm) bespannt, wobei die Felle zuerst auf den erforderlichen Durchmesser zugeschnitten werden mussten (incl. ca. 6-8 cm Randüberstand rundherum). Nach dem Einweichen wurden die Felle um den Fellwickelreifen gelegt, und mit einem löffelförmigen Werkzeug darunter geschoben.

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Abbildung 41-45: Zuschneiden und Aufziehen der Trommelfelle, Fotos: T. Hirsch.


Als Seile wurden wie am Original 6 mm dicke rechtsdrehende Hanfseile verwendet. [29] Aufgrund der Rechtsdrehung der Seile mussten die Bahnen im Uhrzeigersinn in die Druckreifen eingefädelt werden, da sich sonst an den äusseren Reifenkanten die Seile aufdrehen. Die Struppen sind aus Leder. Sie sind nicht zusammengenäht, sondern aus einem Stück Leder geschnitten und dann mit einer speziellen Technik zusammengefaltet bzw. gesteckt. Die Schnarrsaite, eine 3,7 mm dicke doppelte Darmsaite, ist wie am Original auf einer Seite am Reifen befestigt. Auf der gegenüberliegenden Seite wird die Schnarrsaite durch einen rechteckigen Einschnitt im Druckreifen nach aussen geführt, und kann über das Schloss, welches aus Eisen geschmiedet und an die Zargen genagelt wurde, gespannt werden.

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Abbildung 48Abbildung 49

Abbildung 46-49: Seile, Struppen, Bespannen der Trommel, fertige Tambours. Fotos: T. Hirsch.

Und schliesslich, die vier im Jahr 2009 fertiggestellten Tambours. Das Tambour oben links wurde von T. Hirsch gebaut, die anderen drei durch Walter Büchler und seine Mitarbeiter.

Abbildung 50

Abbildung 50: Die vier fertiggestellten Tambours. Foto: T. Hirsch.

 

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[28] Information des Labors für Dendrochronologie, Stadt Zürich, Amt für Stadtebau, Felix Walder.

[29] Bei den modernen Basler Trommeln werden linksdrehende Seile verwendet, und die Trommel gegen den Uhrzeigersinn bespannt.

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