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d'Andrea, Giovanni (~1511): Lira da braccio, 1511

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d'Andrea, Giovanni (~1511): Lira da braccio, 1511

FS-00005

Lira da braccio



1511

1500-1550

Italien

Verona

Wien, Kunsthistorisches Museum

SAM 89


Diese Lira da braccio war für das vorliegende Forschungsprojekt von besonderem Interesse, da es das einzige erhaltene Instrument aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist, dessen Korpusform einen Einzug der Unterbügel aufweist, der dem bei Ganassi 1542/43 abgebildeten ähnlich ist. 1984 hat Karel Moens das Instrument untersucht, und kam zu dem Schluss, dass möglicherweise nur die Decke des Instruments original ist. Seine Untersuchungsergebnisse zu diesem Instrument wurden 1989 veröffentlicht: Karel Moens, Problems of authenticity of sixteenth century stringed instruments, in: CIMCIM Newsletter No. XIV, 1989, S. 41-49.

Datierung/Zuschreibung:
Bei einer dendrochronologischen Untersuchung der Decke durch Dr. Peter Klein aus dem Jahr 1988 wurde der jüngste Decken-Jahresring auf 1504 datiert. Dies würde zu der Datierung auf dem Zettel im Inneren des Instruments passen "Joannes Andreas. Veronen./ [adi 12?] ... uosto (=agosto?)] / 1511". Da der Zettel jedoch aus zwei Pergament-Teilen in unterschiedlichen Handschriften (Tinte) besteht, darf weder die Datierung auf 1511, noch die Zuschreibung an Giovanni d'Andrea als sicher gelten.

Decke:
Die Decke besteht aus drei Teilen, zwei breiteren Aussenteilen (105/117 Jahresringe) und einem schmaleren Mittelteil (56 Jahresringe) wobei die beiden Aussenteile vom selben Baum stammen, während das Mittelstück aus einem anderen Baum gearbeitet wurde. Die Deckenwölbung ist zusätzlich mit zwei Brüsten und einem Bauch versehen. Der Decken-Rand ist ohne Hohlkehle gestaltet. Die C-förmigen Schalllöcher sind nach innen gerichtet und reich verziert [Bild 05/06]. Dass die Randeinlagen der Decke (besonders auch im Bereich der neueren Zargenteile am Halsansatz) gleich wie am Boden [Bild 15/16] jeweils aus einem helleren und einem dunkleren Span bestehen und sich sehr ähnlich sind, könnte zusammen mit dem anders lackierten Deckenrand dafür sprechen, dass die Randeinlagen (zusammen mit den runden Scheiben [Bild 08/09 und 17] in den Ecken der Oberbügel) später ergänzt wurden (wie von K. Moens vermutet).

Zargen/Boden/Randeinlagen:
Auffallend an den konkaven Zargen ist, dass deren Höhe von der Saitenhalteraufhängung bis zum Halsansatz kontinuierlich niedriger wird (von 50.7 mm bis auf 38 mm). Die Zargen [Bild 12] und der skulptierte Boden [Bild 13[ weisen im heutigen Zustand zahlreiche angeschnittene Wurm-Gänge auf und wurden deswegen von K. Moens als "nicht original" eingeordnet. Die konkave Zargen-Konstruktion (ausgenommen der wohl neuere plane Teil der Zargen vom Halsansatz bis zum ersten Einschnitt) ist jedoch zwei andern Instrumenten (KHM, SAM 65 und MfM 780) sehr ähnlich, und könnte deswegen doch original, jedoch an der Oberfläche nachgearbeitet sein. Für den aus einem Stück Ahorn bestehenden Boden ist dies weniger wahrscheinlich, da in diesem Fall wohl die Konturen der Schnitzereien verlorengegangen wären. Ein in den Boden eingelegtes Elfenbein-Plättchen [Bild 14] trägt die grichische Aufschrift: "DUPPS IAT // ROS ESTIN // ANQRWIIOIS / WAP" ("Gesang ist wie der Heiler für die Schmerzen der Menschen" Übersetzung: K. Meierott).

Hals/Griffbrett/Wirbelkasten:
Da der obere plane Teil der Zargen möglicherweise nicht mehr original ist, ist wahrscheinlich auch Hals und Wirbelplatte (aus einem Stück Ahorn bestehend) [Bild 20] nicht original. (Wie eine originale Hals/konkave Zargen Verbindung aussehen kann, ist in den für dieses Projekt angefertigten CTs der Lira da braccio von Ventura Linarol, MfM 780 gut zu erkennen.) Das Griffbrett (und der Saitenhalter) hat einen Kern aus Ahorn und ist mit Obstholz, Ebenholz und gebleichtem (bzw. grün gebeiztem) Bein furniert ]Bild 18/19].
Die als Gesicht geschnitzte Wirbelplatte ist hinten ausgehöhlt und mit einem Klappdeckel versehen, der ebenfalls ein geschnitztes Gesicht aufweist [Bild 21/22].

Lack:
Die Decke des Instruments hat wahrscheinlich eine originale Lack- Grundschicht. Die Deckenränder und die Einlagen weisen einen dickeren rötlichen Lack wie am ganzen restlichen Instrument auf.

Innenkonstruktion:
Da die konkaven Zargen (obwohl sie im Inneren des Instrument konvex ausgearbeitet sind) genug Auflagefläche für Boden und Decke bilden, sind keine Reifchen vorhanden. Auch Eckklötze, Unter- und Oberklotz sind nicht vorhanden, da der Zargenkranz aus einem (oder zwei) massiven Ahorn-Stücken besteht. Die Decke hat keinen Bassbalken. Aufgrund der erfolgten Restaurationen waren keine originalen Bearbeitungsspuren im Instrument zu erkennen.

Saitenzahl/Mensur:
Im heutigen Zustand hat das Instrument die für eine Lira da braccio typischen 5 Saiten über dem Griffbrett und zwei neben dem Griffbrett verlaufende Saiten, die mit einem Bein-Stäbchen von der Wirbelplatte abgespreizt sind. Die Mensur beträgt heute ca. 41 cm, wobei der Steg möglicherweise früher an einer tieferen Position stand.

Thilo Hirsch, 12.2012

Provenienz des Instruments: Catajo; Obizzi / Este


Musikinstrument

Holz

79.9

27.1

5.07

Masse: (Museumsdatenblatt und eigene Messungen)
Gesamtlänge: 799
Schwingende Saitenlänge: 410
Deckenlänge: 484
Halsmensur: 140
Maximale obere Breite: 226
Obere Eckenbreite: 216
Minimale Breite Mittelbügel: 165
Untere Eckenbreite: 259
Maximale untere Breite: 271
Zargenhöhe links vom Halsfuss: 38
Zargenhöhe am linken Einschnitt in der Oberzarge: 39,8
Zargenhöhe obere linke max. Breite: 42,4
Zargenhöhe obere linke Ecke: 43,6
Zargenhöhe Zentrum linker Mittelbügel: 45,1
Zargenhöhe untere linke Ecke: 45,4
Zargenhöhe untere linke max. Breite: 49
Zargenhöhe am Unterklotz (Mitte): 50,7
Griffbrettlänge: 273
Wirbelplattenlänge: 175

Frühe Streichinstrumente

http://bilddatenbank.khm.at/viewArtefact?id=84784

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